Die Heidelberger Haus- und Zwergdrachen

 
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Während Drachen in asiatischen Ländern im allgemeinen als glücksbringend angesehen wurden, galten sie hierzulande als blutrünstig und unberechenbar. Heidelberg ausgenommen - hier gehörte der Drache zum normalen Alltagsleben. So war es zum Beispiel üblich, daß die Leute sich eines der Dracheneier, die im Neckar zu finden waren, mit nach Hause nahmen und den Jungdrachen aufzogen. So ein Drache ist natürlich ein ausgezeichnetes Wach- und Schutztier. Außerdem - man bedenke, daß es damals noch keine Streichhölzer gab - war er eine unschätzbare Hilfe beim Anzünden des Herdfeuers. Auch in jeder Schmiede gehörte ein Drache dazu. Die Fischer und die Leute, die am Neckar wohnten, bevorzugten die wasserliebenden Drachenweibchen, während die flugfähigen Männchen besonders bei den Winzern und Bergbauern beliebt waren.

Die Legende berichtet sogar von Drachenreitern. Die Drachenweibchen zeichneten sich durch eine erstaunlich hohe Intelligenz aus - es wird berichtet, daß sie sogar der menschlichen Sprache mächtig waren. Sie waren sehr beliebt bei weisen Frauen, Alchimisten und Schriftgelehrten, die gerne philosophische Gespräche mit ihnen führten. Menschen, die in beengten Wohnverhältnissen lebten, hielten sich oft Zwergdrachen. Bei dieser Art waren beide Geschlechter gefügelt. Die Eier konnte man an sonnigen Berghängen finden. Mit dem aufkommenden Christentum starb die gute alte Sitte - die Haltung eines Hausdrachen - leider aus. Die Kirchenoberen hielten Drachen für Ausgeburten der Hölle. Sie untersagten jeglichen Kontakt mit diesen Tieren und stellten Zuwiderhandlungen unter strenge Strafe.

(Quelle unbekannt)

 
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